Diagnostik bei Lebererkrankungen – Patienteninformation zum Stellenwert der Scherwellenelastografie und Leberfettquantifizierung

Allgemeines zu Lebererkrankungen

Lebererkrankungen bleiben in frühen Stadien häufig unbemerkt, während die Erkrankung selber fortschreitet. Das Hauptsymptom einer chronischen Lebererkrankung ist die Müdigkeit. Häufig wird die Erkrankung erst bei Auftreten von Komplikationen in einem späteren Stadium entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt sind therapeutische Maßnahmen verständlicherweise deutlich weniger effektiv.

Hauptursachen für Lebererkrankungen sind infektiöse, autoimmune oder metabolische Erkrankungen der Leber.

Beispiele für infektiöse Lebererkrankungen sind die chronische Virushepatitis B oder C, hier besteht seit kurzem die Möglichkeit der Testung im Rahmen des Check-Up 35 durch den Hausarzt.

Zu den Autoimmunerkrankungen der Leber gehören vor allen Dingen die Autoimmunhepatitis, die Primär biliäre Cholangitis und die PSC, diese fallen z.B. durch erhöhte Leberwerte auf und werden im Rahmen der weiterführenden Labordiagnostik und gegebenenfalls auch durch Leberbiopsien geklärt.

Die häufigste und am stärksten zunehmende Ursache für Lebererkrankungen besteht im Rahmen metabolischer Erkrankungen, den größten Stellenwert nimmt hier die Fettlebererkrankung ein.

Verlauf von Lebererkrankungen am Beispiel der nicht alkoholischen Fettlebererkrankung

Bei einer Fettlebererkrankung kommt es zur vermehrten Einlagerung von Fetten in das gesunde Lebergewebe, ursächlich sind überwiegend metabolische Risikofaktoren wie Übergewicht, Typ 2 Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen.
Bei Patienten mit einer Fettleber ist das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen bereits erhöht im Vergleich zur Normalbevölkerung.

Bei ungefähr 10 % der Patienten mit Fettlebererkrankung kommt es zur Entzündung der Leber – der sogenannten Steatohepatitis, dieses ist der Zeitpunkt, in dem es zu einer Beschleunigung des Krankheitsverlaufes kommt. Das leberspezifische Mortalitätsrisiko ist jetzt im Vergleich zur Fettleber um den Faktor 6 erhöht, ebenfalls ist die Gesamt Mortalität durch die weitere Zunahme des kardiovaskulären Risikoprofils deutlich erhöht.

Bei 10-20 % der Fälle mit Steatohepatitis schreitet die Erkrankung zu einer Leberfibrose und später Leberzirrhose mit erhöhter Wahrscheinlichkeit für die Ausbildung von Leberkrebs fort.

Die Lebenserwartung von Patienten mit nicht alkoholischer Fettlebererkrankung ist um durchschnittlich 4 Jahre verkürzt, bedingt durch die erhöhte Wahrscheinlichkeit für Lebererkrankungen und Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystem.

Diagnostik von Lebererkrankungen am Beispiel der nicht alkoholischen Fettlebererkrankung

Zunächst müssen die Patienten identifiziert werden, die ein erhöhtes Risiko für die Ausbildung einer Fettlebererkrankung haben, dieses betrifft Patienten mit Typ 2 Diabetes oder Patienten mit metabolischem Syndrom (Adipositas, hohe Triglyzeride oder Prädiabetes). Der Hausarzt kann Ihnen Auskunft dazu geben, ob sie dazu gehören. Weitere Patienten, die einer Diagnostik bedürfen, sind solche, bei denen es den Zufallsbefund einer Leberverfettung in der Bildgebung gibt oder zufällig erhöhte Leberwerte (Transaminasen) auffallen.

Da Lebererkrankung jeden Menschen betreffen können, empfiehlt sich auch die Durchführung eines Lebertestes. Diesen können Sie im Internet finden unter: https://www.leberhilfe.org/online-lebertest

Der entscheidende Punkt in der weiteren Diagnostik ist die Frage, ob bereits eine Leberfibrose vorliegt oder nicht. Hierfür eignen sich bestimmte Scores (NAFLD Score, Fib 4). Insbesondere wenn diese auffällig sind, wird als weiterführende Diagnostik die Bestimmung der Lebersteife mittels elastografischer Verfahren empfohlen (lt. Europäischer Leitlinie der EASL).

In Abhängigkeit der dann erhobenen Werte erfolgt die Veranlassung weiterer Blutuntersuchungen und in Zusammenschau aller dann vorliegenden Befunde der Entscheid, ob eine Leberbiopsie sinnvoll und notwendig ist. Gleichzeitig können Sie effektiv beraten werden, welche Maßnahmen und vor allen Dingen in welchem Ausmaß zur Besserung Ihrer Lebersituation getroffen werden sollten.

Scherwellenelastografie und Leberfettmessung im Rahmen der Leberdiagnostik in unserer Praxis

Beide Verfahren werden als zusätzliche Untersuchungen in unserer Praxis zur Diagnostik von Lebererkrankungen angeboten. Die Vorstellung der Patienten erfolgt üblicherweise über die Hausarztpraxis zur Klärung ob zum Beispiel eine spezifische Lebererkrankung vorliegt, und ebenfalls unter der Frage, ob bereits ein Leberumbau nachzuweisen oder zu vermuten ist und ob weitere Kontrollen sinnvoll sind.

Idealerweise liegen bereits Laborergebnisse vor, zusätzlich notwendige Laborbestimmungen erfolgen im Rahmen der Sprechstunde. Nach Erhebung der Krankheitsgeschichte mit insbesondere der Klärung des Gewichtsverlaufes, der Medikamenteneinnahme, des Bestehens von Risikofaktoren, der Klärung der Familienanamnese wird die Bestimmung körperlicher Parameter wie Body Maß Index und Taillen Umfang durchgeführt. Im Anschluss daran erfolgt die normale Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes und der Leber. Sollten sich bereits hier klare Kriterien eines Leberumbaus zeigen, empfehlen wir die Durchführung der Scherwellenelastografie nicht.
Im Anschluss an die genannte Untersuchung besteht die Möglichkeit der Durchführung der Bestimmung des Leberfibrose Grades mittels Scherwellenelastografie und der Leber Fettmessung (ATI). Die Scherwellenelastografie ist im bestimmten Kontext zur Entdeckung einer Leberfibrose bei fast allen Lebererkrankungen empfohlen und kann die Notwendigkeit von Leberbiopsien reduzieren (Leitlinie der europäischen Lebergesellschaft 2021).

Nach Vorliegen aller Befunde werden diese in einem Arztbrief zusammengefasst, dieser geht an ihren Hausarzt und als Kopie an Sie. Teil dieses Briefes sind auch Empfehlungen für Kontrolluntersuchungen bzw. therapeutische Maßnahmen. Die Befunde der Lebersteife (Elastografie) und Leberfettmessung sind als Grafik Bestandteil des Briefes. Für Patienten mit manifesten behandlungsbedürftigen Lebererkrankungen besteht die Möglichkeit der Übernahme in unsere reguläre Lebersprechstunde.

Informationen zur Durchführung der Scherwellenelastografie und Leberfettmessung

Die Durchführung der Scherwellenelastografie und Leberfettmessung erfolgt mit dem Gerät aplio A der Firma Canon.

Für die Scherwellenelastografie liegen vergleichende Studien zu Referenzmethoden wie der Transienten Elastografie (Fibroscan) und zu Leberhistologien vor, die eine sehr gute Übereinstimmung der erhobenen Werte zeigen. Gleiches gilt für die Leberfettmessung, die ebenfalls gute Übereinstimmungen zu Leberbiopsien bzw. zur Leberfettmessung mittels MRT zeigen konnte.

Die Durchführung elastografischer Untersuchungen ist seit mehreren Jahren Bestandteil internationaler Leitlinien, so zum Beispiel der Europäischen Lebergesellschaft und der Amerikanischen Lebergesellschaft, gleichzeitig ist sie Bestandteil mehrerer Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Verdauung und Stoffwechselerkrankungen. Bei bestimmten Erkrankungen (zum Beispiel chronischer Virushepatitis B) ist sie quasi notwendig für die Bestimmung des Zeitpunktes der Einleitung der Therapie. Dennoch sind die Untersuchungen nicht Teil der Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland.

Aufgrund dieses Sachverhaltes erfolgt die In-Rechnungsstellung der genannten Untersuchungen entsprechend der Abrechnungsordnung GOÄ mit einer Analogziffer. Alle Patienten werden vor der Untersuchung hinsichtlich des zu erwartenden Nutzens dieser Zusatzleistung beraten. Die Durchführung dieser Zusatzleistung erfolgt grundsätzlich nur auf Wunsch des Patienten. Bestimmte Krankenkassen erstatten bei Vorliegen bestimmter Konstellationen diesen Betrag, sollte diese Konstellation vorliegen, erhalten Sie ein Schreiben von uns zur Argumentation gegenüber ihrer Krankenkasse.

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